Zeit der Erkrankung

Unser Ziel ist die Unterstützung der Menschen und Familien, welche in jungen Jahren eine ihnen nahestehende, zu ihrer Entwicklung notwendigen Bezugsperson durch Erkrankung zeitweise entbehren oder durch dessen Versterben gänzlich auf sie verzichten müssen.
Zu den Zielen zählen:

  • Ängste bewältigen
  • Zurechtfinden mit den körperlichen Veränderungen
  • Selbstwertgefühl stabilisieren und/oder verbessern
  • Sozialer Isolation entgegenwirken
  • Bewältigungsstrategien und neue Perspektiven entwickeln
  • Zwischenmenschliche Probleme angehen und lösen
  • Lernen, vorhandene Ressourcen zu nutzen
  • Vermittlung weiterer unterstützender Maßnahmen
  • Ermöglichen psychoonkologischer Unterstützung im ambulanten Kontext
  • Bedürfnisorientierte Begleitung von durch Erkrankung oder Tod belasteter Familien und dadurch Verhinderung psychosozialer Überlastung

Das wichtigste Ziel ist, dass die erkrankten Betroffenen und die Angehörigen spüren, dass sie in ihrer schwierigen Lebenssituation nicht allein sind, dass sie ihre Gedanken, Sorgen und Ängste haben und diese auch aussprechen dürfen. Dass es ein Gegenüber gibt, welches diese Gedanken aushalten kann, ohne verletzt zu werden oder zu (be)werten. Ängste, welche ausgesprochen werden, erscheinen weniger bedrohlich und öffnen dem Betroffenen Handlungsmöglichkeiten für die Entwicklung von Entlastungsmechanismen.

Eine Übersicht, kompakt gebündelt, finden Sie in diesem Link.

Systemische Beratung in der Erkrankung

Wir bieten Familien, die sich mit einer schweren, unter Umständen lebensverkürzenden elterlichen Diagnose konfrontiert sehen, die Möglichkeit der Systemischen Beratung an.

In dieser schwierigen Lebenslage kann die Systemische Beratung im Einzelgespräch oder gemeinsam mit mehreren Familienmitgliedern darin unterstützen, vorhandene Ressourcen jedes einzelnen oder der Familie zu erkennen und zu stärken, um vorhandene Kraftquellen zu nutzen.

Die Systemische Beratung nimmt dabei die Familie als System in den Blick und erkennt jedes Individuum in seiner Bezogenheit zu den anderen Systemmitgliedern an. Die Familienmitglieder stehen also in Beziehung zueinander, so dass ihr jeweiliges Verhalten untereinander von dieser Beziehungsdynamik beeinflusst ist.

Die Familienmitglieder verfügen über eine große Palette an Kompetenzen und auch Lösungsideen, zu denen sie möglicherweise aufgrund des vorliegenden Zustands keinen Zugang haben. Die Systemische Beratung kann hier eine Orientierungshilfe geben und so dazu beitragen, die schwierige Lebenssituation besser zu überstehen.

Dabei sind die Bedürfnisse jedes Individuums im systemischen Beratungsprozess ein wesentlicher Wegweiser, der Berücksichtigung findet.

Termine können Sie nach Kontaktaufnahme mit uns vereinbaren.

Erfahrungsaustausch für Eltern

In regelmäßigen Treffen mit ebenfalls betroffenen Eltern bieten wir ein Forum an, in dem Platz und Gehör für eigene Erfahrungen sein soll – mit ebenfalls Betroffenen, die die Emotionen und Gedanken nachvollziehen können. Dabei ist die vorliegende Erkrankungsart nicht wichtig, denn die Eltern verbindet in dieser Lebenskrise viel mehr die große Sorge um die Kinder.

An wen richtet sich dieses Angebot und was kann es bewirken?

  • Es richtet sich an Menschen, die sich zusammenschließen, da sie ein gemeinsames Thema verbindet.
  • Es finden regelmäßige Treffen statt, deren Inhalte und Themen von allen Teilnehmenden genährt werden.
  • Die moderierten Treffen der Gruppe wird von ihren Teilnehmer in  Eigenverantwortung angeboten.
  • Die Teilnahme ist kostenfrei.

Bitte melden Sie sich an.

Unterstützende Gruppen für Kinder und Jugendliche erkrankter Eltern

  • Gruppen für Kinder von 3 bis 5 Jahren zur Stärkung der vorhandenen Ressourcen – im Aufbau
  • Gruppen für Kinder von 6 bis 12 Jahren zur Stärkung der vorhandenen Ressourcen
  • Gruppen für Jugendliche von 13 bis 17 Jahren zur Stärkung der vorhandenen Ressourcen

Der Bedarf des Angebots erklärt sich aus der psychischen Not der Kinder in der Situation, in der eine Krebserkrankung in der Familie vorliegt.

Erkrankt die Mutter oder der Vater an Krebs, gerät die Welt der Kinder ebenfalls aus den Fugen und sie verlieren die bisherige Sicherheit ihres Alltags. Anders als bei dem Betroffenen und dem Partner finden Kinder häufig keine Wege, um ihren Sorgen und Fragen Raum zu geben. Sie fühlen sich allein, sind verängstigt und ziehen sich häufig zurück. Durch diese permanente Belastung geraten die Kinder zudem in eine Außenseiterposition, da sie sich plötzlich in einer psychisch belasteten Situation befinden, so wie sie ihr soziales Umfeld kennt. Bei vielen Kindern kann diese traumatische Erfahrung neben Sprachlosigkeit, selbst gegenüber Vertrauten, und Ängsten zu psychologischen Auffälligkeiten führen, die später zu Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung mit depressiven Neigungen und den daraus resultierenden Besuchen bei Therapeuten und Psychologen führen können.

Auch erhebliche Schulprobleme mit den dazu gehörenden Schwierigkeiten der Klassenwiederholung und des Schulwechsels sind oftmals die Folge der Orientierungslosigkeit, in der sich die Kinder vermeintlich befinden. 

Unter Umständen sprechen sie nicht über ihre Sorgen und Ängste, da ihnen häufig wenig Interesse oder Verständnis von ihrem Umfeld entgegengebracht wird.

Nach wie vor ist die Erkrankung Krebs ein emotionales Tabuthema, auch für nichtbetroffene Kinder. Die Auseinandersetzung in diesem Angebot, welches auch kunsttherapeutische Anteile nutzen kann, mit dem Thema ist eminent wichtig und unverzichtbar für die gesunde Entwicklung des Kindes. Erwiesenermaßen bietet der Umgang mit Materialien, themenbezogenen Spielen und Bücher sowie dem gestalterischen Werken vielen Kindern die Möglichkeit, die Problematik der häuslichen Situation zu verarbeiten und den Emotionen Gestalt zu verleihen.

Im Kreis von sich ebenfalls in dieser Lebenslage befindlichen Kindern wird Verständnis und Geborgenheit vermittelt.  Das Alleinstellungsmerkmal wird aufgehoben. In der Gruppe erfahren die Kinder, dass sie nicht allein sind, sondern dass es andere Gleichaltrige gibt, welche ebenfalls in dieser Situation leben. Gemeinsam finden sie ihre Möglichkeit, um auszudrücken, was ihnen auf der Seele liegt.

Das Angebot kann auffangen und den Kindern unter qualifizierter Leitung Wege aufzeigen, um sich trotz der Erkrankung und ihren dauerhaften Folgen stabil und psychisch gesund zu entwickeln.

Unterstützung durch Familienbegleiter

Die einfachsten Dinge im Familienleben sind schwer zu erledigen, die Anspannung und Sorge durch die Diagnose groß, so dass man kaum in der Lage ist, sich um die Kinder angemessen zu kümmern.

KUL CARES bietet unkomplizierte und zügige Familienhilfe im Falle einer schweren Erkrankung eines Elternteils.

Nach der Kontaktaufnahme mit uns kümmern wir uns schnell und präzise um einen passenden Familienpaten. Diese ehrenamtlichen Unterstützer werden sorgfältig von uns ausgewählt und geschult.

Der Familienpate kann die Familie dadurch unterstützen, indem er den Kindern etwas unbeschwerte und normale Zeit schenkt und mit ihnen z.B. malt, Spiele spielt, vorliest, auf den Spielplatz geht usw.

Die Familie stimmt den Umfang der Unterstützungsbesuche individuell mit diesem ab. Diese Besuche finden in der häuslichen Umgebung der Kinder statt.

Zu den Aufgaben des Familienbegleiters zählen

  • mit den Kindern spielen, lesen, malen, basteln, auf den Spielplatz gehen
  • kleine Ausflüge nach Absprache, z.B. in die Bücherei, auf den Weihnachtsmarkt etc.
  • eine gute und unbeschwerte Zeit mit den Kindern zu verbringen
  • eine neutrale Bezugsperson zu sein

Sie interessieren sich für die Schulung? Dann informieren Sie sich gern hier: Familienbegleiterschulung

Familienbegleiter-Motivationen

„Ich habe gar nicht groß nachgedacht und habe sofort Ja gesagt. Ich habe mich sofort gut mit der Familie verstanden, habe sogar nach ein paar Wochen einen Haustürschlüssel bekommen. Nach drei Monaten dann ist die Mutter gestorben, das war sehr schwer. Aber ich bin geblieben.“

H.

„Eigentlich entscheiden meistens die Kinder, was wir machen. Schwimmen gehen oder einfach nur raus in die Natur oder auf den Spielplatz. Ich habe aber auch schon mit den Kindern gebacken. Das ist egal, Hauptsache, alle haben Spaß.“

Tanja

„Ich bin gerne ein Teil eines Teams. Ich fühle mich bei KuL sehr wohl, mag den Austausch im Team und den Rückhalt, den ich erfahre.“

Carsten

„Obwohl ich noch berufstätig bin, habe ich mich entschieden, die Familienbegleiter-Schulung bei KuL zu durchlaufen. Ich möchte gern in meiner Freizeit auch etwas Sinnvolles tun. Mich um Kinder zu kümmern, die es gerade nicht gut haben, reizt mich.“

Jana

„Mir gefällt die Herausforderung sehr, vor die ich bei jeder neuen Familien gestellt werde. Mit der immer kompetenten Unterstützung von KuL, habe ich mich an viele Gespräche herangetraut. Das hätte ich vorher nicht getan und bin dadurch auch immer wieder überrascht von mir selbst.“

Hannes

„Es ist schon komisch, wenn das Arbeitsleben sich dem Ende nähert. Ich bin kein Typ, der die Hände in den Schoß legt und aus dem Fenster schaut. Das ist eher nichts für mich. Ich möchte gerne Familien unterstützen, die in einer schwierigen Situation sind.“

Lilo

„Eines ist mir noch ganz wichtig, man bekommt sonst vielleicht einen falschen Eindruck: 95 Prozent der Tage sind positiv. Natürlich gibt es berührende und bewegende Momente, auch mal Tränen oder Wut, aber die Zeit, in der wir mit den Kindern schöne Dinge unternehmen, lachen und einfach nur Spaß haben, die überwiegt“

B.

„Familien zu helfen, das ist so ganz meins. Ich habe schon immer geschaut, wie es anderen Menschen geht. Da scheine ich eine ziemliche Helfersymptomatik zu haben, die ich gern einsetze, weil ich weiß, dass ich Kindern, denen es nicht gut geht, wirklich helfen kann. Ich fühle mich gebraucht und das ist ein gutes Gefühl. Ich weiß, man bekommt ganz viel zurück, ganz viel Dankbarkeit, die ich nicht erwarte, weil es für mich selbstverständlich ist, aber sie kommt zurück.“

Jule

„Ich finde diese Familienpatenschaften eine tolle Idee und möchte gern helfen. Oft ist dieses ganze Thema mit so einem großen Tabu belegt, ich würde gern mithelfen, das zu brechen.“

S.

„Ich habe schon Familien begleitet. Ich mag eher die kurzen Einsätze, weil sie mir die Möglichkeit geben, viele verschiedene Menschen und Situationen kennenzulernen. Davon profitiere ich für mich persönlich.“

Lisa

„Gerade für Jungs ist eine Unterstützung wichtig. Sie zeigen es nur nicht so deutlich. Da reicht es manchmal auch, Fussball zu spielen oder etwas zu schnitzen.“

Peter

„Erst war ich mir nicht sicher, ob ich der Situation gewachsen bin. Immerhin ist es ja nicht einfach, so eine Erkrankung… und dann noch die Kinder dazu. Aber nach einem intensiven Gespräch habe ich mich dann doch entschlossen, an der Schulung zum Familienbegleiter teilzunehmen und freue mich auf die Aufgabe, die auf mich wartet.“

Dirk

Farewell

Erkrankt ein Elternteil schwer, stürzt für die Kinder ihre gewohnte, sichere Welt zusammen. Sie erleben die Eltern in großer Sorge, meistens ausweichend oder schweigend, was die Phantasie der Kinder und die Schuldsuche bei sich anfacht.

Die Zeit der Operation und Therapie stresst das Familiengefüge extrem. Die körperliche Belastung des Erkrankten mit den Nebenwirkungen, der Fatique, Erschöpfung, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen sowie die Operationen zeichnen ein deutliches Gesicht der Erkrankung. Spürbar ist nebenbei immer auch die psychische Anspannung, die herrscht.

Gesundet das Elternteil nach all den Strapazen nicht, gerät die Familie in eine Ausnahmesituation. Der Tod ansich ist in unserer Gesellschaft ein Tabu und nach wie vor herrscht die Meinung, dass Kinder von dem Wissen um das Versterben ferngehalten werden sollten, um sie nicht zu ängstigen und zu traumatisieren.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Kinder haben ein Recht auf Wahrheit. Sie sollten kindgerecht informiert und begleitet werden, sollten ihre Fragen stellen dürfen und Antwort erhalten, die ihrem Alter angemessen sind. Sie sollten weitestgehend in die Abläufe mit einbezogen werden, die Verhaltensänderungen des Versterbenden sollten ihnen erklärt werden.

All dies erfordert vom gesunden Elternteil eine enorme Kraft, aber auch das Eingestehen der Situation, die Reflektion. Verständlicherweise gelingt das oftmals nicht, da die eigenen Emotionen und die Verlustangst im Vordergrund stehen. Die Verleugnung und die Hoffnung auf ein gutes Ende versperren den Blick auf die Realität.

Farewell-Begleitung durch unseren Verein kann hier unterstützen.

Durch den Einsatz einer erfahrenen Trauerbegleiterin können die Kinder einfühlsam und bedürfnisorientiert mit dem Thema Versterben in Kontakt gebracht werden und auf dem Weg der Abschiednahme ihrer Mutter oder ihres Vaters eng begleitet werden.

Dies hilft nicht nur den Kindern, sondern entlastet und unterstützt auch die Eltern beidermaßen.

Diese Begleitung umfasst nach Absprache mehrere Stunden im häuslichen Umfeld der Familie und, wenn gewünscht, noch eine Zeit lang über das Versterben des Elternteils hinaus.

Bitte nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf, wenn Sie eine Familie betreuen/behandeln, die zu dieser Zielgruppe gehört. Wir können die Familie auch ergänzend zur Sterbebegleitung unterstützen.